Wespinstift Mannheim - Stark werden

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Eröffnung und Vernissage der Kinderkunstgalerie

13.05.2013 - Pasternack - Gruppenberichte
 

Denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.
Friedrich Schiller

Kunst bedeutet Freiheit. Hier darf alles so sein, wie es ist, denn in der Kunst gibt es kein Falsch und kein Richtig. Es gibt kein Normal und kein Unnormal. Kunst ist einfach wie sie ist – mal laut, mal leise, mal sanft und mal wild.

 

Im Rahmen der Kulturtage Vogelstang 2013 eröffnete am 12. April die Kinderkunstgalerie im Wespinstift. Den Auftakt macht die aktuelle Ausstellung „Kunst ist eine Tochter der Freiheit“. Die Gruppenausstellung besteht aus 13 Arbeiten, die im Wespinstift lebende Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren im Kunstatelier geschaffen haben. Sie reichen von Zeichnungen über Collagen bis zur Malerei – in unterschiedlichen künstlerischen Medien.

Die Ausstellung ist frei zugänglich. Auf Anfrage bieten wir auch während der gesamten Ausstellungsdauer Führungen durch die Ausstellung an. Im Anschluss an die aktuelle Ausstellung wird die Kinderkunstgalerie regelmäßig mit neuen Ausstellungen bespielt werden. Den Flyer können Sie hier als PDF herunterladen.

Junge Kultur: Wespinstift stellt Arbeiten aus der Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen aus

„Die Tochter der Freiheit“

"Jetzt kommt endlich zur Führung, ihr müsst zuhören!", ruft ein Junge seinen Eltern zu. Verkehrte Welt im Wespinstift auf der Vogelstang: Die Kinder, für die es oft nichts Schlimmeres als langweilige Museen gibt, drängen ihre Eltern, die Kunst zu würdigen. Sofort merken die Besucher, dass Kunst für diese Kinder etwas ganz Wichtiges geworden ist.

Die Frau, die dieses Wunder vollbracht hat, ist die Kunsttherapeutin Kerstin Schoch, die seit 2009 im Wespinstift mit den Kindern und Jugendlichen arbeitet. Ihr Erfolgsrezept: "Ich erkläre den Kindern immer wieder, dass es in der Kunst kein Richtig und kein Falsch gibt, kein Normal und kein Unnormal. Stattdessen schafft Kunst den Freiraum, sich so auszudrücken, wie man ist." Passend dazu wählte sie den Titel "Kunst ist die Tochter der Freiheit" für die Ausstellung, die sie jetzt im Rahmen der 19. Kulturtage Vogelstang der Öffentlichkeit präsentierte.

13 speziell für diese Vernissage gefertigte Werke der jungen Künstlerinnen und Künstler, keiner davon älter als 15 Jahre, hingen an den Wänden des Stifts, und immer zur vollen Stunde bot Kerstin Schoch Führungen entlang der Bilder an. Begleitet wurde sie dabei von einigen der Künstler persönlich, die den Besuchern die Motivation und die Technik ihrer Arbeit erklärten. "Wenn ein Werk fertig ist, machen wir auch immer zusammen eine Analyse und eine Interpretation", beschreibt die Kunsttherapeutin den kreativen Prozess. Außerdem bringe sie den Kindern auch erste theoretische Kenntnisse bei, wie etwa den Farbkreis und die Grundlagen des Mischens von Farben.

Jedes Kind bringt seine ganz eigenen Interessen und Talente ein. Da ist etwa der neunjährige Noel, der schon seit dem Kindergarten malt - am liebsten Katzen. "Ich erfinde aber auch schon selbst Brettspiele", erzählt er stolz. Und auch der zwei Jahre ältere Manuel malt schon, seit er denken kann und immer, wenn sich eine freie Minute findet. Seine Spezialität ist es, Gesichter zu malen, und eines seiner Bilder wird bei den Führungen von Besuchern besonders gelobt. Ob er gerne auch beruflich Künstler werden wolle? "Ja! Oder Sänger. Hauptsache berühmt."

Eingerahmt werden die Bilder nicht nur für die Wand, sondern auch von einem musikalischen Auftakt, den die Musiktherapeutinnen des Heimes mit ihren Schützlingen einstudiert haben. Außerdem trägt Dilan ein von ihr selbstverfasstes Gedicht vor. Die Leiterin der Einrichtung, Birgit Maaßen-Rux, betont in ihrer Eröffnungsrede: "In all diesen Kunstwerken spiegeln sich Hoffnungen, Wünsche, Ziele, Ängste und Ideen unserer Kinder und Jugendlichen wider."

Doch auch wenn die Kinder den Reden andächtig lauschen und die Führungen begeistert mitmachen, soll auch bei der Ausstellung das Praktische nicht zu kurz kommen. In einer Ecke steht ein Tisch, an dem kontinuierlich die Farbe von den Jüngsten aufs Blatt gebracht wird. Ein Junge, der dort malt, ruft ganz begeistert seinen Eltern zu: "Ich mache jetzt noch ein Kunstbild!"

(Mannheimer Morgen, 19.04.2013)